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Kurt Beck ist als Parteivorsitzender der SPD stark unter Druck. Wie lange kann er sich noch halten?

Er wird noch in diesem Jahr abgelöst
Er wird noch den Wahlkampf im Jahr 2008 verantworten. Danach muss er gehen
Er wird noch lange SPD-Parteivorsitzender bleiben

Die neue vereinigte Linkspartei wird im Lager der Sozialdemokraten wildern, prophezeien Parteienforscher. Wird sich die Parteienlandschaft in Deutschland ändern?

Nein - die beiden großen Parteien werden weiterhin das politische Geschehen bestimmen. Grüne und FDP kämpfen ums politische Überleben
Ja - mit den Linken scheint sich eine 5. Partei zu etablieren. Ein Linksrutsch der gesamten Politik wird die Folge sein
Ja - die SPD wird der Verlierer sein. Die CDU wird die Mitte besetzen
Ja - aber das ist nicht die letzte Partei, die sich etablieren wird. Eventuell ist am rechten Rand auch noch Platz für eine Partei

Die SPD will das Gesundheitssystem mit mehr Steuern finanzieren. Was halten Sie davon?

Es wir wohl nicht anders gehen. Schön ist es aber nicht
Das muss so gemacht werden. Nur über Steuern kann angesichts der demografischen Entwicklung das Gesundheitssystem aufrechterhalten werden.
Nein - das muss ein selbstfinanziertes Solidarsystem bleiben. Steuern wirken nur kostenerhöhend und gefährden die Effizienz

Die SPD legt Jobprogramm für die über 100.000 älteren Langzeitarbeitslosen vor. Das kostet natürlich Geld. Ist das Geld sinnvoll angelegt?

Ja - man muss den Menschen wieder Chancen geben. Da ist das Geld wirklich sinnvoll angelegt.
Wir haben genug andere Sorgen. Man sollte das Geld lieber in Bildung investieren.
Geld für Langzeitarbeitslose auszugeben, bringt nichts. Viele von denen wollen oder können doch gar nicht mehr arbeiten. Das hat man ja bei Henrico F. gesehen.

Alle reklamieren den Abbau der Arbeitslosenzahlen unter die 4-Millionen-Marke als Erfolg für sich. Wer kann sich den Orden wirklich ans Revers heften?

Gerhard Schröder - er hat die Reformen eingeleitet
Angela Merkel - sie hat Deutschland den Optimismus zurückgegeben
Die SPD / Grüne Koalition - ihre Politik zahlt sich jetzt aus
Die Unternehmer - sie stellen die Leute wieder ein
Die Verbraucher - sie konsumieren mehr und schaffen dadurch Arbeitsplätze
China, Indien, Russland und USA - sie kaufen unsere Waren und Dienstleistungen
Die Bundesagentur für Arbeit - sie leistet gute Vermittlungsarbeit
Die Arbeitnehmer - sie sind flexibler und bereit neue Herausforderungen anzunehmen
Das Wetter - bisher ist keine Winterpause am Arbeitsmarkt in Sicht

Die Bundesminister Schäuble und Müntefering haben sich auf ein SPD-nahes Modell zum Bleiberecht verständigt. Alle geduldeten Altfälle bekommen ein zweijähriges Bleiberecht. Ist der Konsens richtig?

Ja - der Vorschlag ist gut. Nur diejenigen, die innerhalb der zwei Jahre einen Arbeitsplatz nachweisen, dürfen bleiben. Die Besten werden ihre Chance wahrnehmen.
Nein - das ist eine deutliche Aufweichung des Bleiberechtes. Hunderttausende Menschen, die weder Deutsch können noch europäische Werte teilen, werden in Deutschland Aufenthaltsrechte erwerben.
Unabhängig davon, ob der Konsens richtig oder falsch ist: Schäuble hat im Alleingang seine ganze Partei und die Länderregierungen vor den Kopf gestossen. So funktioniert Politik nicht.

Die Vorschläge von CDU-Mann Rüttgers zur längeren Zahlung von Arbeitslosengeld bringen Vizekanzler Müntefering in Rage. Ist das nur Taktik von Rüttgers vor der Wahl in NRW?

Ja - das ist reine Berechnung von Rüttgers. Er möchte die Wahlen in NRW gewinnen.
Nein, Rüttgers weist auf einen tatsächlichen Mangel bei der Zahlung des Arbeitslosengeldes hin. Wer länger einzahlt, soll auch länger Geld bekommen.
Das wird der CDU noch leid tun. Die SPD hat bisher den Kompromiss mitgetragen. Um das sozialdemokratische Profil zu schärfen, werden auch bei der SPD teure Sozialleistungen gefordert werden

Die großen Volksparteien SPD und CDU verlieren immer mehr Mitglieder. Ist das Desinteresse an Politik gefährlich für Deutschland?

Ja! Extremistische Parteien wie die NPD könnten das Vakuum füllen.
Nein! Dann verlagert sich die Opposition halt ins Außerparlamentarische. Kein Problem.
Das ist ein kurzfristiges Phänomen. Politik wird dann wieder spannend, wenn es große Themen gibt. Die haben wir aktuell einfach nicht.

Der Spiegel beauftragte bei TNS Infratest die Umfrage 'Wird Schröder als bedeutender Bundeskanzler in die Geschichte eingehen?'Wir fragen prägnanter: Welche Taten/Reformen von Schröder werden in Erinnerung bleiben?

Die Agenda 2010 wird ihre Wirkung schon noch entfalten.
Die größte Tat von Schröder war seine Absage an eine Teilnahme deutscher Truppen am Irak-Krieg der USA.
Sein Sieg über Kohl und das erfolgreiche 'Mobbing' Lafontaines.
Seine vier Frauen.
Seine Freundschaft mit Russland und Putin und die Gas-Pipeline

Den Volksparteien SPD und CDU laufen die Wähler in Scharen davon. Seit der Wiedervereinigung hat die SPD 40% weniger Mitglieder, die CDU 25%. Was sind die Gründe?

Das ist die Mentalität der Bevölkerung. Engagement und klare Bekenntnisse sind out. Die Parteien haben keine Bindekraft mehr.
Die Parteien sind selbst schuld. Sie vertreten die Interessen der Bürger nicht mehr
Die Politik hat sich von der Bevölkerung entfernt. Es geht nur noch um Machterhalt, Geld und Interessen der Großkonzerne
Die Bürger sind von den Politikern enttäuscht. Es fehlen die großen Vorbilder
Die Bürger engagieren sich stärker als vor 15 Jahren. Jedoch überwiegend in Bürgerinitiativen, Vereinen und Hilfsorganisationen

Auch in Deutschland etabliert sich immer mehr eine klar getrennte 'Klassengesellschaft'. Wie kann man dagegen vorgehen?

Gar nicht! In jedem Land gibt es unterschiedliche Klassen. Wenn es Gewinner gibt, muss es auch Verlierer geben.
Durch eine gute Sozialpolitik. SPD und Linke müssen dafür sorgen, dass mehr Geld nach 'unten' umverteilt wird.
Durch eine bessere Bildungspolitik. Nur Bildung ermöglicht den beruflichen und damit sozialen Aufstieg.
Ich sehe nicht, dass wir in Deutschland eine ausgeprägte Klassengesellschaft haben.

Die große Koalition blockiert sich, Kanzlerin Merkel kann sich nicht durchsetzen. Welche Optionen gibt es nun?

Neuwahlen nach Misstrauensvotum
tolerierte Jamaika-Koalition Schwarz-Gelb-Grün
Ampel-Koalition Rot-Gelb-Grün unter Kanzler Beck
Große Koalition mit SPD-Kanzler Beck
Links-Koalition Rot - Rot - Grün unter Kanzler Beck
Mit Kanzlerin Merkel weiter wie bisher

Stoiber will die Gesundheitsreform platzen lassen. Wie schlimm steht es um die Große Koalition?

Das ist der Anfang vom Ende der Koalition
Die Koalition hat noch eine Chance, wenn sie endlich Beschlüsse fasst und umsetzt
Die Koalition arbeitet hervorragend. Die Themen sind eben komplex und können nicht schnell gelöst werden
Es fehlt der übergeordnete Plan, der die Regierung eint.

Bei der Kommunalwahl in Niedersachsen sank die Wahlbeteiligung auf einen historischen Tiefstand von 51,8%. Woran liegt diese Interesselosigkeit der Bürger?

am Gefühl, sowieso keinen Einfluss zu haben
an der Frage, wen man wählen soll. Die Parteien sind sich zu ähnlich in ihren Programmen
weil Politik das tägliche Leben nicht mehr berührt und andere Dinge wichtiger sind
weil schönes Wetter war
weil man mit Politik und Politikern nichts mehr zu tun haben will
weil Politik zu kompliziert geworden ist
weil man kein Vertrauen in die Politiker mehr hat

Miese Umfragewerte bei der Großen Koalition trotz sinkender Arbeitslosenzahlen und besserer Wirtschtslage. Hat die Koalition ein Imageproblem?

Die Koalition ist ein künstliches Gebilde und profitiert von den Taten der Schröder-Regierung und der weltwirtschaftlichen Lage
Die Zustimmung zur Koalition entspricht der immer noch schlimmen Lage in Deutschland. Was ist gut an 4,5 Mio. Arbeitslosen?
Die Koalition ist besser als ihr Ruf. Sie macht gute Arbeit
Das Problem sind die Protagonisten der Koalition, die kein gutes Marketing machen. Schröder war da ganz anders
Die Umfragewerte werden nach oben gehen, wenn weiter gut gearbeitet wird

SPD Chef Beck will Eliten fördern. Die SPD müsse sich wieder mehr auf die Leistungsträger in der Gesellschaft konzentrieren. Ist das der richtige Weg für die SPD?

Ja - eine Volkspartei muss sich auf die Leistungsträger stützen, um den Sozialstaat finanzieren zu können
Ja - zu den Leistungsträgern gehören die Anhänger der SPD - Arbeiter, Angestellte, Selbstständige, Familien
Nein - Soziales Gewissen und Elitenförderung geht nicht zusammen
Nein - die SPD entfernt sich dadurch wieder von den Stammwählern, wie bereits unter Schröder

Die Arbeitslosenzahlen sinken. Die SPD verweist auf die Verdienste Schröders. Wer hat den größten Anteil am jüngsten Aufschwung?

Der Aufschwung ist das direkte Resultat der Politik Schröders
Erst die CDU hat der Wirtschaft das Vertrauen gegeben, das zu mehr Arbeitsplätzen führt
Die Politik hat keinen Einfluss auf den Arbeitsmarkt. Sinkende Arbeitslosenzahlen sind das Verdienst der Unternehmen
Es ist ein Skandal, dass die Parteien 20 Jahre Arbeitsverhinderungspolitik betrieben haben und nun die Reformen als eigene Leistung verkaufen
Die Menschen in diesem Land haben begriffen, dass sie sich weder auf die Parteien noch auf die Unternehmen verlassen können. Sie besinnen sich auf ihre eigenen Fähigkeiten.
Das ist die Auswirkung der günstigen Weltkonjunktur.

Die CDU/CSU fällt in Umfragen auf ein neues Jahrestief. Woran liegt das?

Die SPD zieht die Union nach unten
Frau Merkel hat nicht eingelöst, was sie versprochen hat
Die Themen sind zu komplex. Keiner interessiert sich mehr für Politik
Die Gesundheitsreform ist schuld
Die Union zeigt in der Koalition zu wenig Profil

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